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Die Ausrüstung

Zum Schlittenhundesport gehört eine Menge Equipment. Zum einen handelt es sich dabei um Ausrüstungsgegenstände, die für das Fahren mit den Hunden unmittelbar benötigt werden, zum anderen bracht man viele Dinge darüber hinaus, an die man im ersten Moment nicht unbedingt denkt.

Diese Seite gibt vielleicht besonders viel für solche Leser her, die sich für den Sport interessieren, aber selbst noch nicht direkt damit zu tun hatten. Wir wollen hier auch keine Werbung für bestimmte Produkte machen, sondern sehen die Informationen eher als Tipps, die wir gerne gehabt hätten, denn so manches Teil haben wir auch erst einmal falsch (billig) eingekauft. Natürlich hängt alles von den eigenen Möglichkeiten und Ansprüchen ab.

Auf die Unterbringung zu Hause (Zwinger, Futterküche, etc.) gehen wir hier nicht nochmals gesondert ein, da die Informationen dazu unter „Zwinger“ zu finden sind. Hier beginnen wir mit dem, was man speziell für Schlittenhunde braucht:

Schlitten

Der Schlitten scheint auf den ersten Blick das Wichtigste überhaupt zu sein, allerdings hängt das ein wenig von der geografischen Lage ab. Bei uns im Rheinland könnten wir auch gut ohne Schlitten auskommen, denn genügend Schnee gibt es hier bestenfalls an wenigen Tagen im Jahr. Letztendlich sollte es aber das Ziel jedes Schlittenhundesportlers sein, so viel wie möglich im Schnee, also auch mit dem Schlitten, zu fahren, denn erstens macht das am allermeisten Spass und zweitens ist das auch für die Hunde das Beste. Das Laufen auf dem Schnee ist besser für die Gelenke und die Temperaturen sind naturgemäß auch entsprechend niedrig.flexmax

Unser erster Schlitten war ein gebrauchter Holzschlitten von Ambos. So etwas sieht man heute allerdings nur noch bei Touren oder Langstreckenrennen, bzw. als Transportschlitten. Nach ein paar ersten Fahrten damit, haben wir uns für einen Schlitten von RSS entschieden, ein Sprintmodell mit extremer Verwindung und Lenkbarkeit. Allerdings gilt die Marke DANLER als Marktführer und ist weit verbreitet. Schließlich haben wir zusätzlich einen Schlitten von DANLER erworben, der etwas größer und für längere Distanzen gedacht ist. Wenn man aber dann auch längere Rennen mit Biwak fahren möchte, dann kommt man am Ende nicht um einen grossen Schlitten herum - also wurde Schlitten Nummer vier angeschafft - auch ein Modell von DANLER, der FlexMax.

Bei Distance- oder Etappenrennen muss der Schlitten eine bestimmte Größe haben, weil auch Gepäck mitgenommen und notfalls auch ein oder zwei Hunde im Packsack transportiert werden müssen.

Unabhängig von der Größe des Schlittens sollten zwei Schneeanker zur Ausrüstung gehören bzw. sind Pflicht!

Trainingswagen

Für die Zeit des Jahres, in der man nicht im Schnee fahren und trainieren kann, bracht man einen Ersatz und dazu braucht der „Musher“ (Schlittenhundeführer) einen Trainingswagen. Die Ausführung und das Gewicht sind in der Regel abhängig von der Anzahl der Hunde, die im Gespann laufen. Da mit dem Trainingswagen im Herbst aber auch Rennen gefahren werden, achtet man darauf, dass der Wagen nicht zu schwer für die Hunde ist, wobei man zu Trainingszwecken wiederum Gewicht zuladen kann. Die Wagenrennen dienen letztendlich aber auch nur als Training, denn alle offiziellen Meisterschaften werden ausschließlich mit dem Schlitten auf Schnee ausgefahren.

Beim Trainingswagen ist wichtig, dass man sicher darauf steht, der Schwerpunkt nicht zu hoch liegt und gute Bremsen montiert sind. Auch eine Feststellbremse ist wichtig.

Es gibt viele Anbieter für Trainingswagen, aber man sieht auch sehr oft Eigenbauten. Bei kleineren Gespannen sind zum Teil auch dreirädrige Wagen erlaubt, die aber nicht empfehlenswert sind.

Bei unserem Trainingswagen handelt es sich um das Modell von der Fa. DOG POINT, der auf Wunsch auch mit Scheibenbremsen geliefert werden kann, was unbedingt empfehlenswert ist. Hier ist die Lenkstange in der Höhe verstellbar, die Vorderachse hat einen negativen Sturz, was für eine gute Kurvenstabilität sorgt, und der Wagen kann sowohl per Hand an den Hinterrädern, als auch per Fuß über alle Räder gebremst werden. Feststellbremse ist selbstverständlich und eine Krallenbremse hat er auch.

Letztlich gab es aber doch einige Dinge zu bemängeln, zumal sich die Konstruktion aus relativ dünnem Rohr als nicht sehr dauerstabil erwies. Daher ist ein Eigenbau aus Edelstahl mit vier einzeln aufgehängten und gefederten Rädern in Arbeit...  

Zugleine und Zuggeschirre

Zugleinen werden entweder aus Seilen gemacht, aus Drahtseilen oder aus Leinen mit einer Drahtseele. Der Draht hat den Vorteil, dass er robuster ist, wenn die Hunde zum Beispiel in die Zugleine beißen, was durchaus passiert. Gerade bei großen Gespannen, wo auch die Zugkraft entsprechend hoch ist, werden in der Regel Drahtseile verwendet, wobei ein Ruckdämpfer obligatorisch ist. Bei kleineren Gespannen sieht man meistens Nylonseile, die keine Feuchtigkeit aufsaugen und leicht sind.

Bei beiden Zugleinen gilt, dass man immer ein geeignetes Werkzeug dabei und griffbereit haben muss, um die Leine im Notfall zu durchtrennen.

Eine Wissenschaft für sich stellen insbesondere die Zuggeschirre für die Hunde dar. Es gibt unterschiedliche „Konstruktionen“ und jeder schwört auf „seine“ Lösung. Dabei geht es darum, dem Hund die Zugarbeit so angenehm wie möglich zu machen, also Druckpunkte zu vermeiden - vergleichbar vielleicht mit dem Anpassen eines Rucksacks beim Menschen. Nicht unerheblich ist dabei allerdings auch die Dauer der Beanspruchung und so gilt es zwischen Sprint, Distance und Long-Journey zu unterscheiden.

Unterschiedlich sind auch die die Materialien, die zur Auswahl stehen. Für den Menschen angenehm erscheint zum Beispiel Fleece als Polsterung. Leider saugt dieses Material aber Feuchtigkeit auf, was grundsätzlich für den Hund nicht angenehm ist und bei Regen (im Herbst) durchaus passieren kann. Schlecht ist dann, wenn es später friert und das Geschirr hart wird.

Die Geschirre gibt es selbstverständlich in verschiedenen Größen, womit aber auch eine unterschiedliche Länge verbunden ist. Aus psychologischer Sicht ist es aber wünschenswert, dass die Hunde in ihrer Reihe jeweils auf gleicher Höhe laufen. Um zu vermeiden, dass man die Zugleine anpassen muss, empfiehlt es sich, die Schlaufe am Ende des Zuggeschirres entsprechend der Länge unterschiedlich auszuführen. Kleine/kurze Geschirre haben dann eine längere Schlaufe und umgekehrt, so dass die Gesamtlänge des Hundes vom Kopf bis zum Ende der Schlaufe bei allen Hunden gleich ist.

Stake-Out

Dieses Fremdwort steht im Schlittenhundesport für den Platz, an dem die Hunde auf dem Renngelände festgemacht werden, wenn sie nicht gerade laufen oder in ihren Boxen liegen. Das Stake-Out besteht in der Regel aus einer Kette oder einem Stahlseil, mit einer Anzahl von Auslegern, entsprechend der Zahl der Hunde. Mit (Edel-) Stahlstangen wird das Ganze im Boden (Schnee) fixiert.

Die Hunde lernen schnell, am Stake-Out zu fressen und die Abstände der Hunde zueinander sollten so gewählt sein, dass jeder Hund ungestört seinen Fressnapf leeren kann.

Damit wäre die Grundausstattung für das Gespann an sich bereits komplett - fehlt „nur“ noch das andere Drum und Dran:

Da wäre zunächst einmal das Transportfahrzeug, denn die Hunde müssen ja irgendwie transportiert werden. Und wenn man zu den Rennen fahren will, dann sind Anfahrten von mehreren hundert Sprinter 003Kilometern die Regel. Also müssen die Hunde bequem untergebracht werden, zumal das Fahrzeug meistens auch am Rennplatz ihr zu Hause ist, in dem auch geruht und nachts geschlafen wird.

Nach unserer Erfahrung ist das einzig richtige ein Transporter in angemessener Größe, der mit Boxen ausgestattet ist. Der Laderaum sollte etwas isoliert sein, eine Standheizung ist empfehlenswert und da man nicht unbedingt die Metropolen Europas anfährt, sondern eher kleine, entlegene Ortschaften, ist auch ein Navigationssystem eine echte Hilfe. Einige Hersteller bieten Transporter mit Allradantrieb an, was natürlich empfehlenswert ist, wenn  man auch eine entsprechende Bereifung montiert (!).

Auch Hundeanhänger sieht man oft, aber wir bevorzugen es, unsere Hunde bei langen Fahrten im Auge zu haben, zumal wir den Eindruck hatten, dass manchen Hunden das Fahren im Anhänger nicht gut bekommt. (Ja, wir haben auch schon einen Anhänger gehabt und ihn wieder verkauft…).

Da man auf dem Stake-Out-Gelände meistens Selbstversorger ist, es im Winter aber früh dunkel wird, braucht man abends Licht, um die Hunde zu versorgen. Daher empfiehlt es sich, ein Stromaggregat dabei zu haben - und wenn man sich nicht unbeliebt machen will, dann sollte es nicht das aller klapprigste aus dem letzten Baumarkt-Sonderangebot sein, denn ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal bei diesen Geräten, ist ihre Geräuschentwicklung.

Das Stromaggregat ist aber auch notwendig, wenn man mehrere Tage (z.B. im Trainingslager) steht, um die Batterien des Wohnwagens wieder aufzuladen. Womit wir beim nächsten Punkt angekommen wären. Vereinzelt gibt es Musher, die in Hotels oder Pensionen schlafen und ihre Hunde entweder auf dem Stake-Out Gelände lassen oder sie sogar mitnehmen. Beides finden wir weniger praktisch bzw. empfehlenswert, zumal man ja auch tagsüber eine Bleibe braucht.

Bei einem Wohnwagen ist aber natürlich auf die Wintertauglichkeit zu achten, also Heizung, Isolierung, Gasvorrat, beheizter Wassertank, möglichst beheizte Abwasserrohre, eigene Stromversorgung, Gasboiler für Warmwasser, etc. Prädestiniert sind insofern die Modelle der skandinavischen Hersteller, weil diese all das serienmässig bieten, aber leider auch recht teuer sind. Wir haben uns daher ein deutsches Modell mit entsprechender Ausstattung gekauft, wobei es so etwas leider auf dem Gebrauchtmarkt praktisch nicht gibt.

Damit es nicht nur im Wohnwagen warm ist, sondern man auch draussen nicht friert, braucht man wintertaugliche Kleidung. Für den Herbst muss sie vor allem auch wetterfest und wasserdicht sein. Für den Aufenthalt in den schneesicheren Regionen sollte man gut für bis zu -30° C gerüstet sein. Fleece- und Wollbekleidung sind wohl am besten geeignet und das ganze kauft man sinnvollerweise im Outdoor-Fachhandel bei entsprechender Beratung.

Die wichtigsten Dinge sind somit angesprochen, wobei die Liste beliebig verlängert werden kann und zwar mit einer Menge Einzelteile, die man halt so braucht oder die praktisch sind, wie zum Beispiel:

  • Stirnlampe
  • Wasserkanister
  • schwerer Hammer für Stake-Out Stangen
  • Schneeketten für Transportfahrzeug
  • Reserveleinen und Geschirre
  • Taschenlampe und Batterien
  • Medikamente für Mensch und Tier (Erste-Hilfe-Set)
  • grosser Benzinkanister für Stromaggregat
  • Reservekanister für Transportfahrzeug
  • kleines GPS Gerät für die Messung von Streckendaten im Training
  • usw.

und wenn man auf Etappenrennen oder große Touren gehen will:

  • wintertaugliches Zelt
  • Schlafsäcke für extreme Minustemperaturen und Isomatten
  • guter (Gas-) Kocher (auch um Wasser/Futter für die Hunde zuzubereiten)
  • Schneeschuhe
  • etc.

Gegebenenfalls ist die oft gestellte Frage „Was kosten denn eigentlich solche Schlittenhunde?“ hiermit auch einigermassen beantwortet…

 

Viele Fachbegriffe und Grundsätzliches zum Sport wird auf des Seiten der AGSD (www.agsd.info) erklärt.